Manuela Studer, M.A. · Vortragsexposé · Sommersemester 2009

 

Das Institut für Kunstgeschichte AB Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte und das Studium generale laden in Verbindung mit der Forschungskooperation Byzantinische Archäologie Mainz ein zu folgendem Vortrag im Rahmen des Colloquiums Christliche Archäologie:


Manuela Studer M. A. (Fribourg)

Pietas und weiblicher Chic. Neues zu Verstorbenendarstellungen auf frühchristlichen Sarkophagen

Mittwoch, 3. Juni 2009, 18.15 Uhr, Hörsaal des Instituts für Kunstgeschichte, Binger Straße 26, 55122 Mainz

Mit dem Auftreten christlicher Bilder auf den Sarkophagen avanciert die Oransfigur zur wichtigsten und vor allem beliebtesten Identifikationsgestalt der Grabinhaber in verschiedenen ikonographischen Kontexten. Die Verselbständigung ermöglicht es ihr außerdem, besondere Individualisierungsmerkmale zu zeigen. Von der "Pietas"-Bedeutung, die diese Gestalt in der römischen Kunst hatte, wird sie auch auf den christlichen Stücken nicht getrennt, nur wird diese mit neuem Inhalt gefüllt. Der Oransfigur gelingt es, wie keiner anderen Figur auf den christlichen Sarkophagen, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen: sie übermittelt die Hinwendung der Auftraggeber zum Christentum, vermag aber auch, deren Wunsch nach Selbstdarstellung zu befriedigen. Besonders für die Frauen eröffnet sich mit der Figur ein weites Feld von Möglichkeiten, Aussagen über sich selbst zu machen.
Der Vortrag wird die verschiedenen Darstellungsweisen der Figur beleuchten sowie die jeweiligen, bereits bekannten wie neuen, Deutungen nennen.

Manuela Studer-Karlen: Studium der frühchristlichen und byzantinischen Archäologie und Kunst und der Alten Geschichte an der Universität Fribourg bei Prof. Dr. J.-M. Spieser. Auslandsjahr an der La Sapienza in Rom 2000/2001. Lizentiat März 2003 ("Frühchristliche Elfenbeinarbeiten"). Ab dem Herbstsemester 2003 Lehrbeauftragte am Stuhl für frühchristliche Archäologie und Kunst der Universität Fribourg. 2005–2008: Forschungsprojekt des National Fonds Suisse. Dissertationsthema: "Verstorbenendarstellungen auf frühchristlichen Sarkophagen". Ab dem Herbstsemester 2008: Assistentin von Prof. Dr. J.-M.Spieser.

Literatur: Deckers, J. G., "Vom Denker zum Diener. Bemerkungen zu den Folgen der konstantinischen Wende im Spiegel der Sarkophagplastik", in: Innovation in der Spätantike, B. Brenk (Hrsg.), Wiesbaden, 1996, p. 137–172; Deomene: l'immagine dell'orante fra Oriente e Occidente: mostra, Ravenna, Museo Nazionale, 25 marzo–24 giugno 2001, a cura di A. Donati e G. Gentili, Milano, 2001; Dresken-Weiland, J., "Sulla rappresentazione di defunti nei sarcofagi paleocristiani", in: XLI Corso di cultura sull'arte ravennate e bizantina, 41, 1994, p. 109–130; Dresken-Weiland, J., "Zur Rolle der Auftraggeber frühchristlicher Sarkophage", in: Das Münster, 50, 1997, p. 19–27; Dresken-Weiland, J., Sarkophagbestattungen des 4. & 6. Jahrhunderts im Westen des Römischen Reiches = RQ, Supplementheft, 55, Rom, 2003; Dresken-Weiland, J., s.v.: "Orans", in: RBK, XXX, 2009 (im Druck); Hansen, I. L., "Muses as Models: Learning and the complicity of Authority", in: Role Models in the Roman World, Identity and Asimilation, S. Bell and I. L.Hansen (Hrsgg.) = Supplements to the Memoirs of the American Academy in Rome, Volume VII, Michigan, 2008, p. 273–285; Reinsberg, C., Die Sarkophage mit Darstellungen aus dem Menschenleben. Vita Romana-Sarkophage (ASR, I, 3), Berlin, 2006; Reinsberg, C., "Demeter, Artemisia und die Pietas Augustae. Zur spätklassischen Statue der Orans", in: Ramazan Özgan'a Armagan. Festschrift für Ramazan Özgan, Istanbul, 2006, p. 297–316; Schade, K., Frauen in der Spätantike – Status und Repräsentation, Mainz, 2003.