Prof. Dr. Karl-Heinrich Bette · Vortragsexposé · Sommersemester 2010

THEMENSCHWERPUNKT DES STUDIUM GENERALE



"DOPING UND ENHANCEMENT. GRUNDFRAGEN DER ETHIK"

 

Prof. Dr. Karl-Heinrich Bette

(Darmstadt)

Der entfesselte Leistungssport:

Doping als Konstellationsphänomen

Montag, 26. April 2010, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)



Trotz flächendeckender Normverstöße wird Doping im öffentlichen Diskurs nach wie vor und nahezu ausschließlich dem Fehlverhalten einzelner Personen zugeschrieben. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen Athleten, aber auch Trainer, Sportfunktionäre, Manager, Ärzte oder Apotheker. Je bekannter die Namen, die in der Eigendynamik von Dopingskandalen ans Tageslicht kommen, desto größer die öffentliche Resonanz. Wenn die Sportverbände, Medien, Recht und Pädagogik und selbst die Mehrzahl der Kritiker in Sachen Doping vornehmlich auf Personen und deren Handeln schauen und damit Realität schaffen, ist es Aufgabe der Soziologie, dieses weitverbreitete, aber auch riskante Beobachtungsschema zu unterlaufen und durch eine komplexere Version der Realität zu ergänzen. Das Fehlverhalten einzelner Personen wird damit nicht etwa relativiert oder entschuldigt, sondern lediglich in einen größeren Zusammenhang gestellt. In einer soziologischen Perspektive steht fest: Doping ist weder als ein plötzlicher Fluch über den Spitzensport gekommen, noch ist es eine Angelegenheit, die sich einfach aus dem Persönlichkeitsinventar einzelner Sportler, Trainer, Funktionäre oder Ärzte ableiten lässt. Doping erscheint vielmehr als ein "normal accident", der sich aufgrund genau benennbarer sozialer Bedingungen immer wieder neu ereignet.



Karl-Heinrich Bette, geb. 1952 in Dortmund, studierte Soziologie, Philosophie und Sportwissenschaft in Köln, Aachen und Urbana-Champaign/USA; 1978–1981 wissenschaftlicher Angestellter am Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln; Promotion (1982) und Habilitation (1988) an der Deutschen Sporthochschule Köln; von 1992–2002 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg; seit 2002 Professor für Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt; Forschungsschwerpunkte: Sportsoziologie, Soziologie des Körpers, neuere soziologische Systemtheorie.

Buchveröffentlichungen (Auswahl): Körperspuren. Zur Semantik und Paradoxie moderner Körperlichkeit. 2. erg. Aufl. Bielefeld: transcript 2005; Systemtheorie und Sport. 2. Aufl. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2009; X-treme. Zur Soziologie des modernen Abenteuer- und Risikosports. Bielefeld: transcript 2004; Doping im Hochleistungssport. Anpassung durch Abweichung (zus. mit Uwe Schimank). 2. erg. Aufl. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2006; Die Dopingfalle (zus. mit Uwe Schimank). Bielefeld: transcript 2006; Sportsoziologie. Bielefeld: transcript 2010.



Nächster Vortrag in dieser Reihe:

Prof. Dr. Christoph Asmuth

(Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte, TU Berlin; BMBF-Verbundprojekt "Translating Doping")

Doping, Enhancement, Therapie:

Wie lassen sich verschiedene Formen der Leistungssteigerung unterscheiden?

Montag, 03. Mai 2010, 18:15 Uhr, N 1 (Muschel)