Dr. Peter Staengle – Vortragsexposé – Wintersemester 2010/2011

Der Interdisziplinäre Arbeitskreis für Drama und Theater und das Studium generale laden im Rahmen der Ringvorlesung KLEISTS REZEPTION zu folgendem Vortrag ein:





Dr. Peter Staengle (Heidelberg)



Kleist und Shakespeare

Montag, 14. Februar 2011, 18:15 Uhr, P 3 (Philosophicum)



Kleists dramatisches Schaffen ist grundiert von einer intensiven Auseinandersetzung mit Shakespeare und verfolgt das ehrgeizige Ziel einer, so Kleist 1803, »gewissen Entdeckung im Gebiete der Kunst«: die Fusion von antiker Tragödie und Shakespeares Theater. In Kleists literarischem Debüt, dem Ende 1802 veröffentlichten Trauerspiel ›Die Familie Schroffenstein‹, kündigte sich dies bereits deutlich an. Und aus näherem Einblick in Kleists Werkstatt hat Christoph Martin Wieland, mit seiner Prosaübersetzung der Wegbereiter Shakespeares in die deutsche Literatur, das berühmt gewordene Wort geprägt: »Wenn die Geister des Aeschylus, Sophokles und Shakspear sich vereinigten eine Tragödie zu schaffen, sie würde das seyn was Kleists ›Tod Guiscards des Normanns‹, sofern das Ganze demjenigen entspräche, was er mich damals hören ließ.«

Die Entstehung von Kleists Werken fällt in die Zeit eines tiefgreifenden Umbruchs, den die deutsche Shakespeare-Rezeption durch die ab 1797 erschienene Übersetzung August Wilhelm Schlegels erfahren hat. Für Kleists Generation werden die Eindeutschungen Wielands und Eschenburgs obsolet. Gleichwohl lassen sich vielfach ihre Spuren bei Kleist nachweisen. Von daher wird zu fragen sein, in welchem Ausmaß sich verschiedene Schichten in Kleists Ausein-andersetzung mit Shakespeare überlagern.



Peter Staengle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg. Gemeinsam mit Roland Reuß ist er Herausgeber der historisch-kritischen ›Brandenburger Kleist-Ausgabe‹ (Frankfurt am Main, Basel: Stroemfeld/Roter Stern, 1988–2010) und der ›Münchner Kleist-Ausgabe‹ (München: Hanser, 2010). Daneben hat er zu Kleist zahlreiche Aufsätze und Dokumentationen publiziert sowie die seit 1998 mehrfach aufgelegte Biographie ›Kleist. Sein Leben‹ (Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn).