Prof. Dr. Ansgar Nünning – Vortragsexposé – Sommersemester 2017

Mainzer Universitätsgespräche
VORTEIL VIELFALT?! DIVERSITÄT IN NATUR, KULTUR UND GESELLSCHAFT


Prof. Dr. Ansgar Nünning
Professor für Englische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft,
Founding Director of the International Graduate Centre for the Study of Culture GCSC,
Justus-Liebig-Universität Gießen

"Give thanks for diversity":
Unzeitgemäße Betrachtungen zur Vielfalt der Kulturbegriffe, Diversität der Lebensformen und zum Wert der Literatur

Mittwoch, 26. April 2017, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Der Eröffnungsvortrag setzt sich mit der im Zentrum der Ringvorlesung stehenden Frage, inwiefern 'Vielfalt als Vorteil' zu verstehen ist, anhand von drei Forschungsbereichen der Geistes- und Kulturwissenschaften ausei­nan­der. Der Titel verweist auf die zentrale These, dass Menschen einerseits Grund dazu haben, für Diversität dankbar zu sein, dass es aber andererseits weder in der Biologie noch in Gesellschaften, Kulturen oder den Wissenschaften "monotone 'Werte' " (Gregory Bateson) gibt.
Diese These, dass mehr Vielfalt nicht per se besser ist als weniger, sondern dass nur jeweils ein bestimmtes Maß an Diversität optimal ist, wird zunächst anhand der Vielfalt konkurrierender Kulturbegriffe erörtert, die in den Kulturwissenschaften im Umlauf ist. Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht die Vielfalt der Lebensformen, Lebenswelten und Werte, die für heutige Gesellschaften im Zeitalter von Beschleunigung, Digitalisierung, Globalisierung und für ein Zeitregime des 24/7 kennzeichnend sind. Im dritten Teil werden unzeitgemäße Betrachtungen zum Wert der Literatur angestellt. Als Medium der kulturellen Selbstbeobachtung und Selbst­reflektion, sowie als Gedankenexperiment, so die These, eignen sich gerade die in literarischen Werken entworfenen alternativen Welten dazu, um die Vielfalt der Kulturen, Lebensformen, Lebenswelten und Werte zu beobachten und fiktionale Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart (und dieser Ringvorlesung) zu erproben. Ein kurzer Ausblick auf die Frage, wie es um die Vielfalt der Wissensformen (bzw. ways of knowing) in den heutigen Wissenschaften bestellt ist, beschließt diesen Vortrag, dessen Ziele darin bestehen, in die Thematik der Vorlesungsreihe einzuführen und zur Diskussion einzuladen.

Ansgar Nünning ist seit 1996 Professor für Englische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie seit 2002 Gründungsdirektor des "Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften" (GGK) und des internationalen Promotionsstudiengangs "Literatur- und Kulturwissen­schaft". Seit 2006 ist er Gründungsdirektor des im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderten "International Graduate Centre for the Study of Culture" (GCSC) und des europäischen PhD-Netzwerks "Literary and Cultural Studies". Einige seiner Bücher in der anglistischen Literatur- und Kulturwissenschaft, interdisziplinären Erzähl- und Gedächtnisforschung sowie Literatur- und Kulturtheorie sind Standardwerke, etwa das Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie (Stuttgart: Metzler, 5. Aufl. 2013). 2007 wurde er mit dem "Exzellenz in der Lehre"-Preis des Landes Hessens ausgezeichnet.

Nächster Vortrag in dieser Reihe:
Prof. Dr. Susanne Foitzik

(Leiterin der Arbeitsgruppe Verhaltensökologie und Soziale Evolution, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Vor- und Nachteile von Diversität in Staaten sozialer Insekten
Mittwoch, 3. Mai 2017, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)