Prof. Dr. Christof Breitsameter – Vortragsexposé – Wintersemester 2017/2018

Themenschwerpunkt 
FAMILIE, FREUNDE, PARTNER. BEZIEHUNGEN IM KULTURVERGLEICH


Prof. Dr. Christof Breitsameter 
Professor für Moraltheologie, Katholisch-Theologische Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Erfindung der Liebe und ihre Folgen – eine moraltheologische Perspektive

Montag, 20. November 2017, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)


"Liebe und was du willst, das tue!" Wollte man diesem berühmten Satz des Augustinus im Wortlaut folgen, könnte man vermuten, dass vieles in unserer Welt sich normieren lässt, nur nicht die Liebe. Die Liebe scheint ihre eigene Norm zu sein. Tatsächlich jedoch ist kaum ein Feld menschlichen Zusammenlebens so stark reglementiert: Was durfte in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit Liebe heißen und was nicht? Und vor allem: Warum durfte etwas einmal Liebe genannt werden und einmal nicht? Die Geschichte der Liebe in Antike und Mittelalter ist geprägt durch den doppelten Verdacht der Maßlosigkeit und Sündhaftigkeit. Leidenschaftliche Liebe erschien als Gefährdung sozialer Kalküle, und so wurde die Ehe zur Norm der Liebe. Anders die Neuzeit: Sie betrachtet die Ehe als menschliche Einrichtung. In dieser Sicht kann die Ehe nur durch Liebe gerechtfertigt werden. Seitdem steht die Frage im Raum, was der normative Gehalt einer Liebe sein kann, die sich allein auf sich selbst gründet.

Christof Breitsameter ist seit 2014 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Philosophie und Theologie in München und Fribourg und wurde 1994 zum Priester geweiht. Mit einer Arbeit zu Identität und Moral in der modernen Gesellschaft wurde er 2001 promoviert. Er habilitierte sich 2006 mit der Schrift "Individualisierte Perfektion. Vom Wert der Werte", war von 2008–2013 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und von 2013–2014 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 
Seine thematischen Forschungsgebiete erstrecken sich von metaethischen Begründungsdiskursen über die Beziehung von Moral, Recht und Gesellschaft sowie Formen und Normen der Liebe bis hin zu den medizinethischen Fragen des "guten Sterbens". Er ist Autor oder Herausgeber von mehr als 10 Büchern und etlichen deutsch- und englischsprachigen Beiträgen und Artikeln. 
Ausgewählte Publikationen: Ch. B., Liebe – Formen und Normen, Verlag Herder, Freiburg i. Br. 2017; Ch. B., Nur Zehn Worte. Moral und Gesellschaft des Dekalogs, Verlag Herder/Universitätsverlag Freiburg (Schweiz) (Studien zur theologischen Ethik, ed. von Adrian Holderegger): Freiburg i. Br./Freiburg i. Ue. 2012; Ch. B., How to justify a ban on doping?, in: Journal of Medical Ethics (BMJ Publishing Group) 43 (2017), 287–292.


Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Dr. Eric Anton Heuser 

(Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Sozial- und Kulturanthropologie, Freie Universität Berlin) 
Die Freundesrepublik: Familie, Freundschaft und Staat in Indonesien 
Montag, 27. November 2017, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)