Prof. Dr. Roland Imhoff – Vortragsexposé – Sommersemester 2018

Mainzer Universitätsgespräche 
"Was ist Wahrheit?"


Prof. Dr. Roland Imhoff
Professor für Sozial- und Rechtspsychologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Von geheimen Mächten sonderbar belogen?
Psychologische Perspektiven auf eine verschwörungstheoretische Weltsicht

Mittwoch, 16. Mai 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)


Die US-Regierung besteht aus als Menschen getarnten Rieseneidechsen, die Nazis leben im Inneren der Erde, Prinzessin Diana auf einer einsamen Insel und Impfpräparate enthalten Gift, um die Bevölkerung fügsam zu machen. Verschwörungstheorien über gemeine und geheime Machenschaften der Mächtigen erfreuen sich nicht erst seit der Expansion des Webs 2.0 immenser Beliebtheit. Was auf den ersten Blick wie harmlose Spinnerei erscheint, ist auf den zweiten ein häufig in sich geschlossenes Glaubenssystem, das auf der Prämisse aufbaut, dass wer auch immer Macht und Einfluss hat, nicht nur korrupt ist, sondern gar schädigende Ziele im Sinn hat. Dieses generalisierte Misstrauen gegenüber Mächtigen oder – wie im Fall des antisemitischen Stereotyps – auch nur als mächtig imaginierten Gruppen, hat weitreichende Folgen nicht nur für Einstellungen gegenüber Politik, Medien und Gesellschaft, sondern auch für die Haltung gegenüber der so genannten "Schulmedizin" oder Quellen historischen Wissens. 
Im Vortrag wird die aktuelle psychologische Forschung zu verschwörungstheoretischen Weltsichten referiert. Dabei geht es weder um die Pathologisierung noch die Verharmlosung solcher Theorien, sondern um eine nüchterne Betrachtung dessen, was wir über Auslöser und Korrelate der "Verschwörungsmentalität" wissen.

Prof. Dr. Roland Imhoff, geboren 1977 in Bonn, studierte von 1998 bis 2005 Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Women Studies an der Washington State University in den USA. Anschließend folgte seine Promotion als Stipendiat des Evangelischen Studienwerks Villigst e.V. Mehrere Jahre war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Bonn. Im Jahr 2012 erhielt er einen Ruf auf die Juniorprofessur "Sozialpsychologie: Social Cognition" an der Universität zu Köln. Seit 2015 ist Imhoff Professor für Sozial- und Rechtspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Stereotype und Vorurteile, indirekte Messverfahren, Verschwörungstheorien und soziale Repräsentationen von Geschichte.


Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Stefan Müller-Stach 
(Professor für Zahlentheorie, Leiter der AG Zahlentheorie, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Johannes Gutenberg Universität-Mainz) 
Wahrheit, Beweis, Gedanke, Identität
Mittwoch, 23. Mai 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)