Dr. Philipp Müller – Vortragsexposé – Sommersemester 2018

Mainzer Universitätsgespräche 
"Was ist Wahrheit?"


Dr. Philipp Müller 
DySCo – Dynamics of Society and Communication Research Group, Institut für Publizistik, JGU Mainz

Die ″Wahrheit″ des Journalismus und die ″alternative″ Wahrheit der sozialen Medien.
Antagonistische Weltbilder im aktuellen öffentlichen Diskurs und ihr gemeinsamer Kern                                                                                                                                                                           

Mittwoch, 13. Juni 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Der professionelle Journalismus ist der Wahrheit verpflichtet. Werden doch Falschinformationen veröf­fentlicht, handelt es sich um versehentliche Fehler oder um das Werk einzelner schwarzer Schafe. Bis vor Kurzem schien diese Aussage – aller Medienkritik zum Trotz – ein zentrales Axiom zur Funktionsweise von Medien in liberalen Demokratien zu sein. Inzwischen jedoch wird sie lautstark bestritten. Auf Demonstrationen, in Meinungsäußerungen im Internet, ja sogar in den Pressekonferenzen des amtie­renden US-Präsidenten wird der Journalismus mit Schlagworten wie ″Lügenpresse″ oder ″Fake News″ der grundsätzlichen, systematischen und interessengeleiteten Lüge bezichtigt. Der ″Wahrheit″ des Journalismus werden ″alternative Wahrheiten″ gegenübergestellt, die von ″alternativen″ (bzw. populis­tischen) Politikern, ″alternativen″ Medienanbietern oder einfachen Bürgern vornehmlich über soziale Medien wie Facebook und Twitter verbreitet werden. 
Im Vortrag wird die These vertreten, dass die gegenwärtige Situation das Ergebnis gleichzeitiger, sich jedoch nicht unbedingt bedingender, gesellschaftlicher Entwicklungen und Veränderungen der Medien(technologie) darstellt. Gemeinsam weichen sie die relativ starre Vorstellung von ″der Wahrheit″ als gesamtgesellschaftlich geteiltem Wissensschatz auf. In einem zweiten Schritt werden die scheinbar antagonistischen Weltbilder, die im aktuellen Wahrheitsdiskurs vertreten werden, auf ihre Über­schneidungen hin untersucht. Es wird ein gemeinsamer Kern herausgearbeitet, der (in einem sozial­konstruktivistischen Sinne) als ″Wahrheit″ der Gegenwart betrachtet werden könnte. 

Philipp Müller (*1984) ist seit 2014 Postdoktorand am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zuvor war er nach dem Studium in Mainz und Passau ab 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte er 2015 mit einer Arbeit zur Wahrnehmung des Medienwandels (2016 erschienen bei Springer VS). Seine Forschungsarbeiten wurden in zahlreichen deutschsprachigen und internationalen Fachzeitschriften publiziert. Arbeitsschwerpunkte sind soziale Dynamiken des Me­dienwandels, Nahrichten-Produktion und -Nutzung im digitalen Zeitalter, öffentliche Kommunikation und gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie politische Kommunikation und Populismus. Mehr Informationen finden sich unter: http://www.kom.ifp.uni-mainz.de/team/philipp-mueller/

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl 

(Professor für Journalismus und Medienmanagement, Università della Svizzera italiana, Lugano, Schweiz) 
Das Ende der Aufklärung?
Warum Wissenschaftler und Journalisten gemeinsam Desinformation bekämpfen sollten

Mittwoch, 20. Juni 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)