Prof. Dr. Jürgen Trabant – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
"Warum wir reden müssen – Kultur und Sprache"

Prof. Dr. Jürgen Trabant 
Prof. em. für Romanische Sprachwissenschaft, Freie Universität Berlin ∙ Inhaber des Lehrstuhls ″Conrad Naber Chair for European Plurilingualism″ (2008–2013), Jacobs University Bremen

Europäische Mehrsprachigkeit oder:
wie wir miteinander reden sollten

Montag, 12. November 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Offiziell schützt und fördert die Europäische Union die Vielfalt ihrer Sprachen. Sie hält die Glossodiversität Europas für einen Segen, für wertvoll und erhaltenswert. Unleugbar aber sind die vielen Sprachen Europas auch ein gewaltiges Kommunikationshindernis, ein Fluch für eine politische Gemeinschaft. Wie sollen wir denn miteinander reden? Daher gibt es gleichzeitig eine starke Bewegung für die Verbreitung des globalen Englischen (Globalesisch) als gemeinsame Sprache Europas. Mächtige Agenten propagieren unter dem Slogan der "Mehrsprachigkeit" die Verallgemeinerung des Globalesischen als Kommunikationsmittel in Europa. Diese verspricht auch noch sprachliche (und damit soziale) "Gerechtigkeit". Aber die Argumente für die sprachliche Vereinheitlichung unterschätzen die damit einhergehenden Verluste, weil sie auf einer reduktionistischen Auffassung von Sprache basieren. Auf der Basis eines reicheren Sprachbegriffs sollte das sprachliche Glück Europas eher in einer fein austarierten europäischen Mehrsprachigkeit zu finden sein.

Jürgen Trabant, geboren 1942. 1980–2008 Professur für Romanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2008–2013 Professor für Europäische Mehrsprachigkeit an der Jacobs University Bremen. – Forschungsstipendien: Akademie-Stipendium der Volkswagen-Stiftung, Fellow Collegium Budapest und Historisches Kolleg München. – Gastprofessuren in Stanford, Leipzig, UC Davis, EHESS Paris, Limoges, Bologna, Brasília, Mailand, Shanghai, Neapel. Seit 2010 Mitglied der Kollegforschergruppe "Bildakt und Verkörperung" an der Humboldt-Universität, 2014–2017 Mitverantwortlicher der von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschergruppe "Symbolische Artikulation" an der Humboldt-Universität. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Accademia di Scienze Morali e Politiche di Napoli, der Accademia delle Scienze di Torino. Officier de l'ordre national du mérite (1998). Chevalier dans l'ordre des Arts et des Lettres (2004). Commendatore nell'ordine al merito della Repubblica Italiana (2010). – Forschungsinteressen: Sprachphilosophie, Geschichte des europäischen Sprachdenkens, Semiotik, Vico, Humboldt, historische Anthropologie der Sprache, europäische Sprachpolitik, Bild und Sprache.
Bücher (Auswahl): Apeliotes oder Der Sinn der Sprache. Wilhelm von Humboldts Sprach-Bild. 1986. · Traditionen Humboldts. 1990. ∙ Neue Wissenschaft von alten Zeichen: Vicos Sematologie. 1994. · Artikulationen. Historische Anthropologie der Sprache. 1998. ∙ Mithridates im Paradies. Kleine Geschichte des Sprachdenkens. 2003. ∙ Cenni e voci. 2007. ∙ Was ist Sprache? 2008. ∙ Die Sprache. 2009. ∙ Weltansichten. 2012. ∙ Globalesisch oder was? 2014. ∙ (mit J. Mittelstraß und P. Fröhlicher) Wissenschaftssprache. 2016.

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Anne Storch 

(Professorin für Afrikanische Linguistik, Universität zu Köln)
Sprache und Gastfreundschaft
Montag, 3. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)