Prof. Dr. Anne Storch – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
"Warum wir reden müssen – Kultur und Sprache"

Prof. Dr. Anne Storch
Professorin für Afrikanistik, Universität zu Köln

Sprache und Gastfreundschaft

Montag, 3. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Warum sollte man reden müssen? Und wann wird dieses Reden überhaupt interessant? In diesem Vortrag geht es um einen Blick auf die Sprache und das Sprechen in ungewöhnlichen Situationen: Wenn man fremd ist, irgendwo hängenbleibt und in einem ″Dazwischen″ festsitzt. In diesen Kontexten spielen liminale Praktiken und kreative Strategien eine besondere Rolle, die in der Linguistik sehr oft übersehen wird und hier etwas genauer betrachtet werden soll. Sprache im Ausnahmezustand angesichts des Unvorhergesehenen oder der Möglichkeit der Katastrophe wird hier als etwas gefasst, das zu einer Erzählung und einer Unterhaltung wird, zu einem Angebot, miteinander in Beziehung zu treten. Der kunstvolle Umgang mit Sprache als schönem, nicht aber immer klarem Klang und als Poesie sowie seine Verortung außerhalb der üblicherweise untersuchten und besuchten Orte stehen dabei im Mittelpunkt des Vortrags. Er fragt nach der Bedeutung des Reisens für den Umgang mit Sprache als etwas Einladendem und nach den Möglichkeiten, über Sprache nachzudenken, die sich aus einer genaueren Betrachtung der im Vortrag besuchten Orte ergeben könnten. Die Diskussionen über Ideen von Sprache, die hier vorgestellt werden, fanden am Ballermann statt, in einer marokkanischen Kasbah, unterwegs in der Wüste und in Nigeria.

Anne Storch ist Professorin für Afrikanistik an der Universität zu Köln. Ihre Beiträge befassen sich mit den kulturellen und sozialen Kontexten von Sprache, der Semiotik linguistischer Praktiken, Koloniallinguistik, Mehrsprachigkeit und Registervariation, Geheimsprachen und Lärm, epistemischer Sprache und Metalinguistik sowie linguistischer Beschreibung afrikanischer Sprachen und Tourismuslinguistik. Zu ihren Publikationen zählen Secret Manipulations (2011) und A Grammar of Luwo (2014); ein gemeinsam mit Ingo H. Warnke verfasstes Buch über Sprache und Tourismus (Sansibarzone) ist gerade fertiggestellt und der mit Angelika Mietzner gemeinsam herausgegebene Band Language and Tourism in Postcolonial Settings ist im Druck. Anne Storch ist Mitherausgeberin von The Mouth (https://themouthjournal.com).

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger 

(Ehem. Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Mannheim ∙ Professor für Germanistische Linguistik, Universität Mannheim) 
Digitalisierung und Sprache am Beispiel des Deutschen 
Montag, 10. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)