Prof. Dr. Clarissa Rudolph – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
"Wie fair ist Deutschland? Befunde und Perspektiven zur Geschlechtergerechtigkeit"


Prof. Dr. Clarissa Rudolph 
Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie, Ostbayerische TH Regensburg

″Wir produzieren ja keine Autos, sondern wir haben Menschenleben dahinterstehen″ – Sorgearbeit und Geschlechtergerechtigkeit

Dienstag, 4. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Sorgearbeit (Care) – bezahlte und unbezahlte – ist auch heute noch eine Domäne von Frauen. Dies galt lange Zeit als natürlich, weshalb Care weder als öffentliches noch als politisches Thema behandelt wurde. In der letzten Zeit scheint sich hier etwas zu verändern und es werden bspw. die schlechte Bezahlung und die mangelnde Anerkennung von Care kritisiert. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Situation von Pflegefachkräften und Erzieherinnen verbessert hat und die Berufe dann attraktiver werden – vielleicht auch für Männer?
Ausgehend von Gerechtigkeitskonzeptionen, die Für-Sorge als zentralen Bestandteil von Gerechtigkeit und Gesellschaft verstehen, diskutiere ich in meinem Vortrag den Zusammenhang von Geschlecht, Für-Sorge, gesellschaftlicher Arbeitsteilung und sozialpolitischen Rahmenbedingungen. Da hierbei die Art der Tätigkeit von großer Relevanz ist, werde ich das Spezifische von Care herausarbeiten, das sich aus dem Spannungs­verhältnis von Für-Sorge-Leistenden, Für-Sorge-Empfangenden und gesellschaftlichen Erwartungen ergibt. Ein Blick auf die Empirie der Für-Sorge zeigt schließlich, dass die Arbeits- und Anerkennungsbedingungen in den verschiedenen Bereichen bezahlter und unbezahlter Care-Arbeit durchaus variieren und deshalb die sozialpolitischen Perspektiven auch unterschiedlich ausgestaltet werden müssen. Gleichwohl gilt für Care insgesamt, dass es als gesellschaftliches und nicht als privates Thema, das individuell zu klären ist, behandelt werden muss, damit in Care und durch Care mehr Gerechtigkeit erlangt werden kann.

Rudolph, Clarissa, seit 2011 Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der OTH Regensburg. Leitung und Durchführung verschiedener Forschungsprojekte, z.Zt.: Projektleiterin des Teilprojektes ″Arbeitsbedingungen und Interessenvertretung von Pflegekräften in Bayern″ im Rahmen des bayerischen Forschungsverbundes ForGenderCare sowie des BMBF-geförderten Projekts ″MINT-Strategien 4.0 – Strategien zur Gewinnung von Frauen für MINT-Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften″ (2017–2020). Lehr- und Forschungs­schwerpunkte: Arbeits- und Sozialpolitik, Gender und Care, Frauen- und Gleichstellungspolitik, Rechts­extremismus, Bildungspolitik. 
Ausgewählte Veröffentlichungen: Auth, Diana/Rudolph, Clarissa (Gastherausgeberinnen): Care im (sozialinves­tiven) Wohlfahrtsstaat, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft 2/2017.  Geschlechter­verhältnisse in der Politik. Eine genderorientierte Einführung in Grundfragen der Politikwissenschaft, Opladen/ Toronto: utb/Verlag Barbara Budrich 2015. (2016 ebenfalls erschienen bei der Bundeszentrale für Politische Bildung) ∙ Jaehrling, Karen/Rudolph, Clarissa (Hg.): Grundsicherung und Geschlecht. Gleichstellungs­politische Befunde zu den Wirkungen von Hartz IV, Münster: Westfälisches Dampfboot 2010.

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Ruth Zimmerling

(Professorin für Politische Theorie ∙ Gleichstellungsbeauftragte des Senats, JGU Mainz)
Was verlangt Chancengleichheit? Probleme eines politischen Gestaltungsprinzips 
Dienstag, 11. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)