Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
"Warum wir reden müssen – Kultur und Sprache"


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger 
Ehem. Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Mannheim · Professor für Germanistische Linguistik, Universität Mannheim

Digitalisierung und Sprache am Beispiel des Deutschen

Montag, 10. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Wir haben es in der digitalen Welt nicht nur mit neuen Arten von Texten, sondern mit einem veränderten Konzept von ″Text″ zu tun. Linearität und Abgeschlossenheit, Merkmale, die wir mit Texten in Verbindung bringen, verlieren an Trennschärfe. Verlinkungen und der Wechsel hin zu Tönen und Bildern öffnen den Text. Die neue Technik hat auch Folgen für die Normen der Kommunikation (etwa ″Höflichkeit″). Die kaum zeitverzögerte Interaktion war eigentlich bisher ein Kennzeichen des Sprechens; manche der dort üblichen Strategien finden sich in der Online-Kommunikation wieder, allerdings in verändertem Kontext. Diskussionsforen (etwa: Wikipedia-Diskussion) einerseits und Plattformen zum gemeinsamen Schreiben (z.B. Google Docs) andererseits zeugen von der Bandbreite neuer Optionen und Mittel für Nähe- und Distanzkommunikation. Die Entfaltung der neuen Möglichkeiten wird an einigen Beispielen gezeigt, von den fast schon klassischen E-Mails über die Mehrebenen-Kommunikation unseres Alltags (z.B. FaceTime) bis hin zu jenen Situationen, in denen der Computer für uns schreibt (z.B. Siri). Neu sind auch ″Mischungen″ von symbolischer (z.B. ″Buchstaben″), ikonischer (z.B. emojis) und indexikalischer (z.B. ″Typographie″) Kodierung. Welche Folgen das für die Sprache hat, kann man im Einzelnen beschreiben, generelle Folgerungen sind noch schwierig; derzeit scheint es allerdings insgesamt eher um den Zugewinn neuer Möglichkeiten zu gehen.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger, geb 1950; Studium der Germanistik, Latinistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Regensburg und London. Promotion 1980 mit einer Arbeit zur Adjektivwortbildung, Habilitation 1986 mit einer Arbeit zu Raum und Zeit im deutschen Verbwortschatz. Professuren an den Universitäten Passau und Kiel, von 2002 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2018 Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim und Ordinarius für Germanistische Linguistik an der Universität Mannheim. Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Syntax und Wortbildung des Deutschen, Sprachgeschichte, Regionalsprachforschung, Soziolinguistik, Sprachwissenschaftsgeschichte, Stilistik und Textlinguistik. Er war zu Gastprofessuren und –dozenturen in Burkina Faso, China, Finnland, Großbritannien, Indien, Italien, Mali, Norwegen, Österreich und den USA.

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Martin Haspelmath 

(Leitender Wissenschaftler, Abteilung Sprach- und Kulturevolution, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena ∙ Principal Investigator, ERC-Project ″Grammatical Universals″, Universität Leipzig) 
Die Entstehung und Entwicklung von Sprachen 
Montag, 17. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)