Prof. Dr. Heinz-Günther Stobbe – Vortragsexposé – Sommersemester 2012

THEMENSCHWERPUNKT DES STUDIUM GENERALE
"KONFLIKT UND ETHIK"


Prof. Dr. Heinz-Günther Stobbe
(Katholische Theologie, Universität Siegen)

Ist der Mensch des Menschen Wolf?
Religiöse Überlegungen zur Friedensfähigkeit des Menschen

Montag, 18. Juni 2012, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)


Die menschliche Geschichte wird durchzogen von einer breiten Blutspur, von Mord, Gewalt und Krieg. Zugleich zeugt sie von einer tiefen Sehnsucht nach Frieden. Religion und Philosophie beschäftigen sich seit alters mit dem Zusammenhang zwischen diesen beiden Grundtatsachen des Lebens, und die Politik sucht Frieden zu erreichen, führt aber immer wieder zum Krieg. In neuerer Zeit widmet sich auch die Wissenschaft Krieg und Frieden, erforscht deren Ursachen und Bedingungen, um die Politik auf verlässliche Grundlagen zu stellen. Im Hintergrund all dieser Bemühungen stecken offen oder verdeckt bestimmte Überzeugungen in Bezug auf die Friedensfähigkeit des Menschen und oft genug der Verdacht, dauerhafter Friede bleibe für immer eine Illusion, weil der Mensch dem Menschen ein Wolf sei. Um den Streit zwischen dieser pessimistischen Sicht und optimistischen Gegenpositionen kreisen die Überlegungen des Vortrags.

Heinz-Günther Stobbe ist seit 1996 Professor für Systematische Theologie und theologische Friedensforschung im Fach Katholische Theologie an der Universität Siegen. Vorher war er Professor für Ökumenik und Friedensforschung an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster. Promotion 1977 mit einer Arbeit zur Hermeneutik, Habilitation 1984 mit einer Arbeit zur theologischen Friedensforschung. Schwerpunkte in der Forschung: Ekklesiologie, Friedensethik, Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung; Schwerpunkte in der Lehre: philosophische Grundfragen der Theologie, Dogmatik (Gotteslehre, Christologie, Ekklesiologie).
Publikationen (Auswahl): Die deutsche Debatte um den Kosovo-Krieg: Schwerpunkte und Ergebnisse. Versuch einer Bilanz nach drei Jahren (mit Heiko Hänsel), Berlin 2002 (Heinrich-Böll-Stiftung) · "Monotheismus und Gewalt. Anmerkungen zu einigen Beispielen neuerer Religionskritik", in: J. Manemann (Hg.): Monotheismus, Münster 2003, S.166-180 · Vom Geist der Übertretung und Vernichtung. Der Ursprung der Gewalt im Denken des Marquis de Sade, Regensburg 2002 · "Mitleid und Grausamkeit. Anthropologische Erwägungen aus theologischer Perspektive", in: K. Inhetveen /G. Klute (Hg.): Begegnungen und Auseinandersetzungen, Köln 2009, S.377-392 · Religion, Gewalt und Krieg. Eine Einführung, Stuttgart 2010.

Nächster Vortrag in dieser Reihe:
Prof. Dr. Stefan Gosepath (Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt · Leiter der Kolleg-Forschergruppe "Justitia Amplificata")
Soziale Natur der Normativität und Moral
Montag, 25. Juni 2012, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)