Prof. Dr. Ruth Zimmerling – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
Wie fair ist Deutschland? Befunde und Perspektiven zur Geschlechtergerechtigkeit


Prof. Dr. Ruth Zimmerling 
Professorin für Politische Theorie ∙ Gleichstellungsbeauftragte des Senats, JGU Mainz

Was verlangt Chancengleichheit? Probleme eines politischen Gestaltungsprinzips

Dienstag, 11. Dezember 2018, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes als Grundrecht festgeschrieben. ″Tatsächliche″ Gleichberechtigung, wie sie der betreffende Artikel fordert, besteht nun aber genau dann, so eine verbreitete Einschätzung, wenn zwischen Männern und Frauen – oder besser: Personen beliebigen Geschlechts – für das Erreichen aller möglichen Ziele und Positionen Chancengleichheit herrscht. Das dürre Gerippe der ″Gleichheit vor dem Gesetz″ erhält demnach in der Chancengleichheit erst seine substantielle Gestalt. Dies scheint zumindest vordergründig keine unplausible Vorstellung. Und doch ist sie unter Sozialphilosophen äußerst umstritten. Einige ernstzunehmende Autoren, die im Übrigen durchaus für Gleichberechtigung eintreten, empfehlen gar, den Ausdruck ″Chancengleichheit″ völlig aus dem Vokabular von Diskussionen um Fragen sozialer Gleichheit zu streichen. Das wirft Fragen auf: Was sind die Gründe für diese Skepsis gegenüber der Idee der Chancengleichheit? Sind die Probleme wirklich so schwerwiegend, dass sie sich nicht lösen lassen, ohne auf das Prinzip zu verzichten? Würde man damit nicht ein unverzichtbares Ziel aufgeben? Ist das Gerippe ohne die Substanz nicht allzu dürr? Der Vortrag wird mögliche Antworten auf diese Fragen skizzieren und dabei sowohl theoretische als auch praktische Aspekte beleuchten.

Ruth Zimmerling, Dipl.-Math. (1978), MA Islamwissenschaft (1982), Promotion in Politikwissenschaft (1989) an der Johannes Gutenberg-Universität, Habilitation für Politikwissenschaft (2002) an der TU Darmstadt. Nach Professurvertretungen in Frankfurt/M. und Hamburg seit 2003 Professorin für Politische Theorie am Institut für Politikwissenschaft der JGU. Forschungsaufenthalte und Gastdozenturen in Argentinien, Australien, Brasilien, GB, Finnland, Italien, Mexiko und Spanien. Aktuell Mitglied des wiss. Beirats des Hochschulakkreditierungsrats des Baskenlandes sowie der Ethikkommission der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Seit WS 2016/17 Gleichstellungsbeauftragte des Senats der JGU. Wissenschaftliche Interessenschwerpunkte: Demokratietheorie, Machttheorie, Politik und Recht, politische Ethik, Handlungs- und Entscheidungstheorie. Derzeit in Vorbereitung: ″Micro-targeting democratic voters: nothing new under the sun?″ und ″Lost in Psychology? The Rise and Decline of the Rational-Choice Approach in Political Science″.

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Dr. Lina Vollmer

(Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Referat Gender & Diversity Management, Universität zu Köln | Mitglied des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW)
″Der Tag, an dem ich das erste Mal als Frau auftrat, war der letzte Tag, an dem man mir eine mathematische Frage stellte″ – Diskriminierungsprozesse in der Wissenschaft 
Dienstag, 8. Januar  2019, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)