Prof. Dr. Evelyn Ferstl – Vortragsexposé – Wintersemester 2018/2019

Themenschwerpunkt 
"Wie fair ist Deutschland? Befunde und Perspektiven zur Geschlechtergerechtigkeit"

Prof. Dr. Evelyn Ferstl 
Professorin für Kognitionswissenschaft und Genderforschung, Leiterin des Center for Cognitive Science, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Geschlechtsaspekte in Kognitions- und Neurowissenschaft

Dienstag, 15. Januar 2019, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Frauen können nicht einparken, Männer weinen nicht… Trotz steigender Beteiligung von Frauen im Erwerbsleben und in politischen und gesellschaftlichen Ämtern halten sich Vorurteile und Klischees hartnäckig. Dieser Vortrag soll zeigen, wie die Kognitionswissenschaft durch die Nutzung impliziter Methoden dazu beitragen kann, die Wirkung von Geschlechterrollen und -stereotypen besser zu verstehen und die Ursachen von Geschlechtsunterschieden in kognitiven Leistungen zu untersuchen. Besonders im Mittelpunkt stehen dabei mathematische und visuell-räumliche Fähigkeiten auf der einen Seite und sprachlich-kommunikative Leistungen auf der anderen. Neuere Studien aus der experimentalpsychologischen, psycholinguistischen und neurowissenschaftlichen Forschung werden vorgestellt. Die Ergebnisse werden auch in Bezug zu gesellschaftlichen Forderungen nach Gleichstellung diskutiert, insbesondere im Hinblick auf das ″Gendern″, d.h. die Nutzung geschlechtergerechter Sprache.

Evelyn Ferstl ist Professorin für Kognitionswissenschaft und Genderforschung an der Universität Freiburg. Sie studierte Mathematik, Psycholinguistik und Kognitionswissenschaft in München und Boulder, Colorado, USA, habilitierte sich in kognitiver Neurowissenschaft in Leipzig und war als Senior Lecturer an der University of Sussex (GB) tätig. Ihre Forschung befasst sich mit Textverständnisprozessen und deren Interaktion mit sozial-emotionalen Faktoren. Themenfelder sind u.a. Humor, Inferenzprozesse, Dialektverstehen oder die Wirkung von gendersensibler Sprache.

Publikationen: 
Ferstl, E. C. (2018). Text comprehension. In: S.-A. Rueschemeyer & G. Gaskell (Eds.), The Oxford Handbook of Psycholinguistics, 2nd ed. (pp. 197–216). Oxford, GB: Oxford University Press. 
Ferstl, E. C. & Kaiser, A. (2013). Sprache und Geschlecht: Wie quantitative Methoden aus der Experimental- und Neuropsychologie einen Beitrag zur Geschlechterforschung leisten können. In: GENDER: Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 5(3), 9–25.
Ferstl, E. C. & Michels, C. (2012). Theory-of-Mind und Kommunikation: Zwei Seiten der gleichen Medaille? In: H. Förstl (Ed.), Theory of Mind: Neurobiologie und Psychologie sozialen Verhaltens, 2. Auflage (S. 121–134). Heidelberg: Springer.

Nächster Vortrag in dieser Reihe: 
Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe 

(Professorin i.R. für Wirtschaftslehre des Privathaushalts u. Familienwissenschaft, Universität Gießen) 
Gleichstellungspolitische Anforderungen an Vereinbarkeitspolitik:
Wie kann die Abkehr vom Zuverdienermodell partnerschaftlich gestaltet werden? 

Dienstag, 22. Januar 2019, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)