Prof. Dr. Arnold O. Benz – Vortragsexposé – Sommersemester 2005

STUDIUM GENERALE: MAINZER UNIVERSITÄTSGESPRÄCHE
»ZUFALL – SCHICKSAL – NOTWENDIGKEIT«

Prof. Dr. Arnold O. Benz (Zürich)

Sterne, Urknall und Schwarze Löcher:
Geschichte und Zukunft des Universums

Mittwoch, 6. Juli 2005, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Sterne und Planeten entstehen und entwickeln sich in einer Abfolge von Prozessen, von denen viele noch nicht verstanden werden. Nicht nur die Schwerkraft wirkt, auch alle andern physikalischen Kräfte. Selbst Chemie und schließlich Biologie spielen wichtige Rollen. Die Entwicklung von Himmelskörpern ist geradezu ein Musterbeispiel an nichtlinearer Komplexität. Werden wir sie je ganz verstehen? Der naturwissenschaftliche Zugang zur Wirklichkeit hat verschiedene Grenzen. Zwei Grenzen, Urknall und Schwarze Löcher, wurden in dieser Vortragsreihe bereits erklärt. Sie begrenzen den Horizont unseres Wissens in Zeit und Raum. Eine andere Grenze ist die gegenwärtige Front der Forschung. Sie ist eine Grenze in dauernder Bewegung und dringt immer tiefer ins Verständnis der kosmischen Vorgänge und Ursprünge vor. Die bedeutsamste Grenze wird jedoch gesetzt durch die Auswahl der konstituierenden Messungen und Beobachtungen. Sie legt fest, welcher Teil der Wirklichkeit naturwissenschaftlich untersucht werden kann und mit Zufall und Notwendigkeit erklärt werden soll. Die eigene Lebensgeschichte spannt eine andere Erfahrungsebene auf, die ebenfalls ernst genommen werden will. Für unsere Existenz und Zukunft stehen noch andere Deutungsmuster, wie Schicksal und Fügung, zur Verfügung. Von dieser Deutung hängt ab, wie wir die Geschichte und Zukunft des Universums deuten.

Professor Dr. Arnold O. Benz studierte theoretische Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und doktorierte bei Prof. Thomas Gold 1973 an der Cornell University (USA). Er ist seit 1993 Professor für Astrophysik an der ETH und leitet eine Forschungsgruppe, die sich mit Hochenergie-Prozessen in der Sonnenkorona und ähnlichen Phänomenen in der Sternentstehung beschäftigt. Er ist an mehreren Satellitenprojekten von NASA und ESA beteiligt. In den Jahren 2000–2003 war er Präsident der Division II (Sonne und Heliosphäre) der Internationalen Astronomischen Union und präsidierte 2000–2002 die Schweizerische Gesellschaft für Astrophysik und Astronomie. Neben seiner fachlichen Tätigkeit in Astrophysik hat er sich ernsthaft mit der Wahrnehmung von Kunst und mit religiösen Fragen auseinandergesetzt, wie sie sich im Rahmen des heutigen Weltbilds der Astrophysik stellen.