Weisz, Prof. Dr. Nathan – Vortragsexposé – Wintersemester 2021/2022

 

Mainzer Universitätsgespräche
Vom Sinn des Hörens. Natur, Kultur, Kunst

Prof. Dr. Nathan Weisz

Professor of Physiological Psychology and Head of MEG unit, Group Coordinator and Principal Investigator of Auditory Neuroscience Group, Salzburg Brain Dynamics Lab, Centre for Cognitive Neuroscience, Universität Salzburg, Österreich

Der "vorausschauende" Hörsinn und seine Relevanz für Cocktailpartys und Tinnitus

!!!Achtung, dieser für Dienstag, 07.12.21, vorgesehene Vortrag muss leider ausfallen!!!

Hören umfasst u.a. die "Übersetzung" von Luftdruckschwankungen in neuronale Aktivität, ein Prozess der v.a. Sinneszellen im Innenohr involviert. Verschiedene Faktoren, die sich i.d.R. in einen Hörverlust niederschlagen, können diesen Vorgang beeinträchtigen. Dies ist allerdings nur der Anfang, denn Hören ermöglicht es Lebewesen, verschiedene Schallquellen zu identifizieren (u.a.: Was erzeugt den Schall? Wo ist die Schallquelle räumlich?) und v.a. beim Menschen über Sprache miteinander zu kommunizieren. Diese für den Alltag wichtigen Verhaltensleistungen korrelieren zwar mit audiometrisch gemessenem Hörverlust, wobei große Unterschiede zwischen Personen in beiden Richtungen existieren: d.h. es gibt Personen, die mehr oder weniger Beeinträchtigung beim Hören erleben (z.B. einem Gespräch bei einer "Cocktailparty" zu folgen), als durch audiometrisch gemessene Hörleistung zu erwarten wäre.
Basierend auf dieser Beobachtung, wird im Vortrag die Frage gestellt, welche neurokognitiven Faktoren diese interindividuellen Unterschiede bedingen. Dabei soll v.a. auf sog. Predictive Processing-Ansätze eingegangen werden, die im Kern gemeinsam haben, dass über die Sinne vermittelte Regelmäßigkeiten in der Umwelt gelernt werden und zu einem "generativen Modell" führen, das Ereignisse in der Umwelt erklärt. Dieses Modell wird durch Vorhersagen von sensorischen Ereignissen geprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Stärke bzw. die generelle Tendenz, der Umwelt durch Predictive Processing zu begegnen, unterscheidet sich zwischen Individuen. In aktuellen Studien können wir zeigen, dass dies mit der Fähigkeit zusammenhängt, einem Sprecher zu folgen. Des Weiteren könnten diese Verhaltensdispositionen zur Erklärung eines zweiten Rätsels beitragen: Wer entwickelt nach einem Hörschaden einen (chronischen) Tinnitus? – Wie wir diese Fragestellungen empirisch erforschen, soll im Vortrag veranschaulicht werden.

Prof. Dr. Nathan Weisz ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Salzburg, wo er auch am Centre for Cognitive Neuroscience das Brain Dynamics Lab sowie das Magnetoenzephalographie-Labor leitet. Davor hat er u.a. an der Universität Trento, der Universität Konstanz und am INSERM geforscht. Bereits in seiner Promotion hat er sich mit dem Thema "Neuronale Korrelate" von Tinnitus beschäftigt. Im Bereich des Hörens beschäftigt er sich außerdem u.a. mit Themen wie Cochlea-Implantate nach Ertaubung, audiovisuelle Integration (v.a. sprachbegleitende Mundbewegungen) sowie "efferente" kognitive Einflüsse auf Aktivität im Innenohr. Die Forschung seiner aktuellen Arbeitsgruppe wird sowohl von grundlagenwissenschaftlichen Förderinstitutionen sowie über Industriekollaborationen gefördert.

Nächster Vortrag in dieser Reihe:
Prof. Stefan Fricke

Honorarprofessor im Fach Klangkunst-Komposition, Hochschule für Musik Mainz
Die Gartenzwerge sind gewachsen und längst erwachsen. Vom Hören und Sehen der Klangkunst
Dienstag, 14. Dezember 2021, 18:15 Uhr